Unternehmertum fördern – Warum wir mehr Jugendliche inspirieren müssen, Unternehmer zu werden!

Als ein Azubi durch die Prüfung fiel, tauchten dessen Eltern bei Marie-Christine Ostermann auf. Die Unternehmerin kämpft nun dafür, dass mehr Jugendliche wieder Verantwortung für sich selbst übernehmen. Doch das ist gar nicht so leicht.

„Wir haben bei Rullko 14 Auszubildende und ich bin Leiterin des Prüfungsausschusses. Vor einigen Monaten musste ich in dieser Funktion einen Prüfling mit einer ungenügenden Note durch die mündliche Abschlussprüfung seiner Ausbildung vor der örtlichen IHK fallen lassen. Er hatte einfach keine genügende Leistung für den Abschluss seiner Ausbildung erbracht.

Marie-Christine Ostermann Geschäftsführerin von Rullko

Statt die eigenen Fehler einzugestehen, erschien er am folgenden Tag zusammen mit seinen Eltern. Diese schrieben die Schuld für das schlechte Ergebnis nicht ihrem Kind, sondern allein dem Prüfungsausschuss und dem Ausbildungsbetrieb. Selbstkritik gab es gar nicht – und überhaupt kam der volljährige Prüfling in dem Gespräch nicht selbst zu Wort – nur seine Eltern sprachen.

Solche Situationen sind für mich inzwischen leider keine Seltenheit mehr. Immer mehr Jugendliche sehen sich kaum in der Verantwortung für sich selbst. Sie haben oft keine Motivation und kein Interesse, ihr Leben aktiv selbst in die Hand zu nehmen. Sie assoziieren Verantwortung mit viel Stress und Bürde, oder sie trauen sich nicht und finden keinen Mut. Oft wird ihnen aber auch nicht vorgelebt und gezeigt, wie sie ein selbstbestimmtes Leben führen könnten.

Wie können Jugendliche unternehmerisch gefördert werden?

Die Konsequenz: Die Zahl der Gründungen ist in Deutschland auf einem absoluten Tiefstand. Stattdessen wollen immer mehr junge Menschen – mittlerweile 32 Prozent! – Beamte werden. Dabei brauchen wir in Zukunft mehr Gründer, mehr Unternehmensnachfolger und auch mehr Intrapreneure, unternehmerisch handelnde Angestellte, aus allen Bevölkerungsschichten in Deutschland.

Was können Unternehmer also tun, um bei Jugendlichen die Freude und das Interesse an Eigeninitiative und Verantwortung zu wecken? Diese Frage beschäftigt mich schon lange.

Eine Lösung ist die Non-Profit-Initiative und Online-Plattform „Startup Teens“. Diese habe ich gemeinsam mit fünf weiteren Unternehmern im Sommer 2015 gegründet, um Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren kostenlos unternehmerisches Denken und Handeln beizubringen.

Wie fördert Startup Teens junge Unternehmer?

Bei Events mit bis zu fünf Unternehmern auf der Bühne, Video-Trainings und einem hoch dotierten Businessplan-Wettbewerb in sieben Kategorien zeigen wir Jugendlichen, dass nicht nur Sportler, Musiker oder Schauspieler spannend und attraktiv sind, sondern auch Unternehmer.

Die Teenager lernen mit praxisnahen Online-Videos unternehmerisch zu handeln, egal ob sie Unternehmer sein wollen oder unternehmerisch handelnde Angestellte. Die Videos gibt es in kurzen Versionen, moderiert von Teenagern, und in langen Versionen zu Themen, die das ganze Handwerkszeug des Unternehmertums abdecken. Zum Beispiel: Was sind meine Stärken? Wie komme ich auf eine gute Geschäftsidee? Gründe ich allein oder im Team? Wie finanziere ich mein Start-up?

Beim Businessplan-Wettbewerb können die Teenager dann das Gelernte anwenden und in sieben Kategorien jeweils 10.000 Euro Preisgeld gewinnen. Es ist für mich als Jury-Mitglied sehr spannend zu beobachten, wie 14- bis 19-jährige Schüler querdenken und ohne Barrieren oder Grenzen originelle eigene Ideen entwickeln. Ihren Businessplan präsentieren sie auf Augenhöhe mit Erwachsenen und setzen ihn mutig um, teilweise auch schon neben der Schule, unterstützt von Mentoren.

Einige der Finalteilnehmer und Gewinner haben inzwischen schon ihr Start-up gegründet und erleben damit Erfolge und Rückschläge – und damit lernen sie in einem sehr frühen Alter, was es Unternehmertum bedeutet und was es heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Ein Jahr Startup Teens: Was die Förderung von Unternehmertum so schwer macht

Natürlich bedeuten Selbstbestimmung und Verantwortung oft auch harte Arbeit, ein gewisses Risiko und eine große Herausforderung. Auch Startup Teens zu gründen und aufzubauen ist mit viel Arbeit verbunden.

Als Mitgründerin bin ich hier in fast alle Prozesse mit eingebunden: vor und hinter der Kamera, in der Öffentlichkeitsarbeit, im Bereich Buchhaltung, Verwaltung und Organisation oder auch bei der Ansprache und Betreuung von Jugendlichen, Mentoren und Sponsoren.

Aber wie sieht die Bilanz ein Jahr nach der Gründung aus?

Mittlerweile gibt es 200 ehrenamtliche Mentoren, die den Jugendlichen beim Schreiben des Businessplans und der Umsetzung ihrer Idee helfen, 5000 Jugendliche schauen wöchentlich unser Online Training an, der Trailer für den Businessplan-Wettbewerb wurde auf Facebook über eine Million Mal geklickt und 150 Teams haben im ersten Jahr an der Challenge 2016 teilgenommen.

Die Zahlen zeigen: es geht langsam voran, aber die Mentalität im sicherheitsliebenden Deutschland ein Stück in Richtung mehr Risikofreude und Selbstbestimmung zu ändern, ist ein riesengroßer Kraftakt. Hier ist viel Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen gefragt.

In der Anfangszeit zum Beispiel sind wir in vielen Schulen mit unserem Anliegen, Lehrer und Schüler zu Startup Teens Events einzuladen, oft schon im Schul-Sekretariat gescheitert. Unser effektivster Weg, Jugendliche anzusprechen und zu erreichen, ist daher das Internet und vor allem Social Media. Inzwischen unterstützen uns aber auch immer mehr Lehrer, die mit ganzen Schulklassen zu Startup Teens Events kommen oder das Online Training sogar in ihren Unterricht einbinden.

Wer als Unternehmer oder Intrapreneur Interesse hat, sich für mehr Unternehmertum in Deutschland einzusetzen, kann zum Beispiel die Startup Teens Website besuchen, uns gerne kontaktieren und Mentor für einen Jugendlichen werden.

Ich kann aber nur sagen, dass sich das gesellschaftliche Engagement für unternehmerische Bildung für junge Menschen lohnt, denn es ist für unsere Zukunft besonders wichtig, dass immer mehr junge Menschen aus allen Bevölkerungsschichten ihre eigenen Ideen mutig und tatkräftig umsetzen.“

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Quelle: Internet-Quelle, Fachartikel auf impulse von Marie-Christine Ostermann, abgerufen am 10.12.2016, Bilddaten und -quellen ebenda.